Aus dem Leben der Schieferdecker

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschrift vom Original

Fahne und Knopf abgenommen am 24. Sept. 1913 wieder aufgesetzt am 8. Oktober 1913 von Friedholf Ackermann und Emil Hager Schieferdecker zur Zeit bei Paul Fehler Hofschieferdecker in Altenburg. Stundenlohn zur Zeit 57 Pfennig und diese Arbeit ohne Zuschlag fertig gestellt welcher Zuschlag beansprucht bekommt seine Karte Arbeitszeit von halb 7 Uhr bis halb 6 Uhr halbe Stunde Frühstück anderthalb Std.

Mittag also 9 Stunde pro Tag

„ Zeiten sehr ernst“

Mohnstab d. 8. Okt. 1913 Friedholf Ackermann

Emil Hager

Schieferdecker

Dieses Dokument von der Hand der beiden Schieferdecker wurde im Turmknopf von Monstab gefunden, allerdings nicht in der Büchse mit den offiziellen Dokumenten.

Diese beiden Schieferdecker haben ihre Aufzeichnungen zusammen mit einer Nummer der “Altenburger Volkszeitung (Organ für die Interessen des werktätigen Volkes im Herzogtum Altenburg vom 7. Oktober 1913) beigelegt. Dieses Dokument wurde sozusagen in den Turmknopf hineingeschmuggelt, um auf ihre ärmliche Lage aufmerksam zu machen.

Von Interesse ist auch noch, dass diese beiden Schieferdecker in der beigelegten Zeitung die Überschrift “Politische Übersicht“ zum neuen Kruppprozess mit dem Vermerk „Achtung“ gekennzeichnet haben. Dieser Artikel gipfelt in dem Satz „Krupp bleibt Krupp, wie sollte es auch anders sein.“

Diese beiden Arbeiter haben ihrem beigelegten Schriftstück die Wörter “Zeiten sehr ernst“ stark unterstrichen. In einer Tabelle wurden die Wochenlöhne und Lebenserhaltungskosten in Deutschland von 1902 bis 1914 dargestellt.

Der Nettolohn betrug 26,90 Mark und die Lebenserhaltungskosten 28,90 Mark.

Die beiden Arbeiter verdienten 30,78 Mark brutto, wenn ihnen dann alles abgezogen wurde, verdienten sie das Gleiche wie jeder Arbeiter, obwohl sie eine viel gefährlichere Arbeit hatten, und es noch keine solchen Sicherheitsmaßnahmen gab wie heute.

Das Wort “ohne“ Zuschlag unterstrichen sie ebenfalls. Wenn man dann noch Preise von Lebensmitteln sieht, wie z. B.

1 Kilogramm Rinderlende 2,80 Mark

1 Kilogramm Schweinefleisch 1,80 Mark

1 Kopf Weißkraut 0,13 Mark

1 Kilogramm Kartoffeln 0,08 Mark

1 Kilogramm Erbsen 0,50 Mark

1 Pfund Heringe 0,16 Mark

1 Kilogramm Mehl 0,44 Mark

(Werte aus “Ratgeber für Herd und Haus“ von Berta Dißmann Dresden 1913)

Wird einem bewusst, wie ärmlich sie lebten.