2000 Kilometer für die Einheit der Christen
Arnhild Ratsch pilgert zu Fuß von Monstab nach Rom

 

Monstab (mh) - "Als ich zum ersten Mal von der Idee gehört habe, hielt ich das für Spinnerei." So wie Pfarrerin Beate Stöckigt, der Ökumenebeauftragten der evangelischen Landeskirche Thüringen, ist es wohl manchem gegangen. Dieser Gedanke - "Spinnerei" - ist inzwischen verflogen und nicht nur Pfarrerin Stöckigt, sondern viele, die zum Gottesdienst in die Dorfkirche von Monstab bei Altenburg gekommen waren, zeigten eher Bewunderung für Arnhild Ratsch. "Es ist schon eine verrückte Idee", gesteht die 47-jährige evangelische Christin selbst, aber sie macht ernst damit: Der Gottesdienst mit dem evangelischen Landesbischof Roland Hoffmann war der Startschuss für eine 2000 Kilometer lange Pilgerwanderung nach Rom. Wenn sie im November dort ankommt, hofft sie auf eine Audienz bei Papst Johannes Paul II.

Ihre Pilgerwanderung versteht Arnhild Ratsch als "Zeichen für die gewachsene ökumenische Gemeinschaft". Zugleich will sie damit für weitere Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen und zur Versöhnung der Menschen werben. Im Gepäck hat sie einen Geleitbrief der evangelischen und katholischen Bischöfe aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und eine Botschaft von katholischen und evangelischen Christen. Die Botschaft will sie dem Papst übergeben. Darin heißt es, die Christen in dieser Region seien vor ganz neue Herausforderungen gestellt, die das gemeinsame Zeugnis und den gemeinsamen Dienst brauchen. "Als Christen sind wir eine Minderheit und viele Menschen stehen unseren Kirchen sehr fern. Aber wir erleben auch immer wieder Menschen, die in ihrer Lebenssituation auf Gott ansprechbar sind und sich für die Botschaft Jesu Christi öffnen." Das Gebet Jesu "Alle sollen eins sein ..." bekomme so eine ganz besondere Bedeutung.

Landesbischof Hoffmann erinnerte in der Predigt an die ökumenischen Probleme und nannte vor allem die Frage der Abendmahlsgemeinschaft, aber auch den konfessionell getrennten schulischen Religionsunterricht. "Sie werden diese Probleme nicht lösen, aber sie können auf sie aufmerksam machen." Er wünsche Arnhild Ratsch, dass sie ihr Ziel erreiche, gesund bleibe, Wind und Wetter standhalte, dass der Papst sie empfange und vor allem, dass ihre Wallfahrt zu einem Versöhnungsweg zwischen den Kirchen und Menschen unterschiedlichen Glaubens und Denkens werde. Das Psalmenwort "Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird's wohl machen" möge sie begleiten.

Groß war die Zahl derer, die die Pilgerin mit herzlichen Umarmungen und Händedruck verabschiedeten und viele gaben ihr gute Wünsche und ganz praktische Dinge mit auf den Weg: Vertreter der evangelischen Gemeinde überreichten ihr im Gottesdienst Rucksack und Schuhe, Pilgerstab und eine Flasche Wasser, einen Hut und eine Muschel, das uralte Zeichen für einen Pilger. Der katholische Pfarrer Andreas Schumann aus dem benachbarten Rositz übergab einen Rosenkranz. "Sie müssen dieses Gebet jetzt nicht lernen, aber der Rosenkranz soll ein Zeichen der Verbundenheit sein." Auch der Landrat des Kreises Altenburg gab eine Botschaft an den Papst mit.

2000 Kilometer liegen vor Arnhild Ratsch. Der Weg wird sie über Hof, Konstanz, Zürich, Locarno und Pisa bis nach Rom führen. Hier hofft sie im November anzukommen, aber das wird auch von den Begegnungen unterwegs abhängen. Denn: "Ich möchte mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen." Vieles wird sich spontan ergeben, einiges aber ist geplant: So will Arnhild Ratsch in Augsburg in einem Gottesdienst ihr Anliegen bekräftigen. In dieser Stadt wurde vor zwei Jahren die gemeinsame Erklärung von Protestanten und Katholiken zur Rechtfertigungslehre unterschrieben.

Die Idee für die Pilgerwanderung hatte Arnhild Ratsch schon vor einigen Jahren. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kümmerte sich die studierte Chemieingenieurin um das Kirchenarchiv in Monstab. Hier stieß sie auf Papiere über den vorreformatorischen Pfarrer des Dorfes, Peter Wolf. Die Dokumente belegten, dass dieser Pfarrer zweimal - 1513 und 1518 - nach Rom gepilgert ist. "Das wollte ich auch einmal machen", dachte Arnhild Ratsch. Eine Kopie der Wanderkarte von Pfarrer Wolf hat sie jetzt im Gepäck.

Was sie sonst noch mitnimmt, ist auf das Notwendigste beschränkt. Reisetagebuch und Fotoapparat aber sind dabei, genauso wie ein Handy, nicht nur wegen der Familie. Arnhild Ratsch ist auch ehrenamtliche Bürgermeisterin in ihrem Heimatdorf Tegwitz, gleich in der Nachbarschaft von Monstab. In Kontakt bleiben will sie aber auch mit dem Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks, das regelmäßig in seinen Sendungen (Glaubenszeichen und Thüringenjournal) sowie im Internet (www.mdr.de) über ihren Pilgerweg berichten will. Übrigens: Die körperlichen Anstrengungen machen Arnhild Ratsch keine besondere Angst, schließlich war sie einmal Leistungssportlerin im Speerwerfen.

Quelle Katholische Wochenzeitung - Online-Ausgabe 31/ 2001