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Papstaudienz krönt ökumenischen Pilgerweg
von Arnhild Ratsch

JOHANNES PAUL II.GENERALAUDIENZ
Mittwoch, 21. November 2001

 

 

Rom / Tegkwirz  "Mir tun die Füße hier in Rom mehr weh, als während der ganzen drei Monate Fußweg hierher." Die evangelische Pilgerin Arnhild Ratsch aus dem thüringischen Tegkwitz hatte zwischen ihrer Ankunft in der Tiberstadt am 15. November und ihrem Rückflug am vergangenem Montag ein volles Programm. Besuche in katholischen und evangelischen, orthodoxen und koptischen Gemeinden mit unzähligen Gesprächen bestimmten die Tage. Höhepunkt war jedoch am 21. November die Audienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II. Es sei ein überaus beeindruckendes Erlebnis gewesen, mit 8000 Pilgern in der großen Halle vom Papst empfangen zu werden. "Mir kamen auch als evangelischer Christin die Tränen", bekennt die 47-jährige Kirchenälteste und ehrenamtliche Bürgermeisterin aus dem Altenburger Land.

Durfte sie schon bei der Generalaudienz in der ersten Reihe sitzen, so fand die Pilgertour im Anschluss ihren absoluten Höhepunkt: Arnhild Ratsch erhielt die Möglichkeit zu einer kurzen persönlichen Begegnung mit dem Papst. Dabei konnte sie ihm unter anderem eine Botschaft der evangelischen und katholischen Christen aus Mitteldeutschland sowie Briefe der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz und der Evangelischen Kirche in Italien übergeben. Gemeinsam wird in allen Schreiben die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Annäherung der beiden großen Kirchen ausgedrückt, die schließlich auch die Abendmahlsgemeinschaft umfassen soll. "Ich bin glücklich und dankbar, dass ich meinen Auftrag erfüllen konnte. Mit mir standen stellvertretend viele Tausend evangelische und katholische Christen aus meiner Heimatregion vor dem Papst", so das Resümee der Pilgerin, die ihre ganze Tour vor allem als ein Zeichen für die sichtbare Einheit der Christen verstanden wissen will.

Dass diese Einheit an der kirchlichen Basis schon viel weiter fortgeschritten ist als vielfach angenommen, gehört zu den eindrücklichsten und schönsten Erfahrungen ihres rund 2000 Kilometer langen Fußweges. Nie sei sie mit ihrem Anliegen oder der ganz praktischen Suche nach einem Nachtquartier auf Vorbehalte oder gar Ablehnung gestoßen. Wohl aber haben die 20 bis 30 Kilometer langen Tagesetappen die ehemalige Leistungssportlerin an die Grenzen ihrer Körper- und Willenskraft geführt. "Doch die große innere Freude hat mir immer wieder die Kraft zum Weitermachen gegeben", bekennt sie dankbar.

Wirkliche Angst habe sie nur einmal gehabt: Von Genua nach La Spezia folgte sie im Bereich der Cinqueterre einem alten schmalen Pilgerpfad an der Steilküste. Nur mit Schaudern denkt sie an die
20 Kilometer lange Strecke mit ihren steilen Auf- und Abstiegen zurück. Der 15 Kilo schwere Rucksack und die anbrechende Nacht taten ein Übriges. Da habe sie "viele Gebete zum Himmel geschickt, aber der Herr hat es mich schaffen lassen." Ansonsten drohten Pilgern in Italien nach ihren Erfahrungen höchstens Gefahren durch viele freilaufende Hunde. Doch dafür habe ein zünftiger Pilger im Notfall seinen Pilgerstab, so die resolute Frau, die bereits fest geplant hat, ihre Erlebnisse in einem Buch zu veröffentlichen.

Harald Krille

Quelle Katholische Wochenzeitung - Online-Ausgabe 48/ 2001